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Norwegen mit dem Wohnmobil ♥ Was ist das Jedermannsrecht ?

Ihr habt uns ja nun auf unserer Route bis ans Nordkapp begleitet und ehe wir nun von dort aus weiter Richtung Süden fahren, möchten wir uns erst mit der Frage beschäftigen, wie und wo man in Norwegen mit seinem Wohnmobil überhaupt stehen bleiben und übernachten darf, wo man sein Zelt aufschlagen kann, ob man zum Fischen einen Angelschein benötigt oder ob man einfach überall Fischen darf und wie es mit dem Wandern, mit dem Feuer machen und auch mit dem Blumen pflücken aussieht.

 

All diese Punkte sind in Norwegen im Jedermannsrecht verankert und wir möchten Euch heute ein paar Tipps mit auf die Reise geben, ehe Ihr zu Eurer Fahrt in den Norden aufbrecht.

norwegische Landschaft mit blauem Himmel und Wolken, Seen im Hochgebirge

Erholung in der Natur erleben

Wer nach Norwegen reist, möchte Natur und Landschaft erleben. Dieses wunderschöne Land hat alles zu bieten, was man sich landschaftlich vorstellen kann: Berge und Gletscher, tiefblaue Seen und türkisfarbene Fjorde, weiße Sandstrände, unendliche Weiten und tosende Wasserfälle.

 

Wer hierher kommt, möchte entschleunigen, möchte Wandern gehen, den Blick schweifen lassen auf der Suche nach Vögeln, Walen, Seerobben oder Delfinen. Vielleicht fischen gehen, gemütlich am Lagerfeuer sitzen oder die Berge erklimmen und im Fjord schwimmen. Aber darf man das alles überhaupt machen oder gibt es Regelungen dazu, die man doch besser kennen sollte, ehe man einfach so drauf los wandert ?

Leni strahlt in die Kamera und Toni hockt dahinter und fotografiert einen Bachlauf in Norwegen

Das Jedermannsrecht

In Norwegen gilt grundsätzlich: jeder hat einen Anspruch darauf, sich in der freien Natur zu bewegen und diese zu genießen und sich dort zu erholen, so lange, so viel und wann immer er das möchte. Allerdings gibt es hierzu ein paar wenige, aber einfache Regeln, die im Jedermannsrecht festgehalten werden und die man beachten sollte.

 

Das Jedermannsrecht ist in Norwegen seit 1957 Bestandteil des Gesetzes über das Leben im Freien und ist aus alten traditionellen Rechten hervorgegangen. Jedermannsrecht heißt im norwegischen "allemannsretten" und ist sehr einfach: im Grunde genommen besagt es nur, dass jeder Recht und Anspruch darauf hat, die freie Natur zu genießen und sich dort zu erholen, solange er das unter Rücksichtnahme auf die Natur und alle Lebewesen macht. Man darf der Natur keinen Schaden zufügen und man soll alles so hinterlassen, wie man es selber gerne vorfinden möchte.  Wenn man sich also in der freien Natur bewegt, sollte man das umsichtig und umweltfreundlich machen.

 

Eigentlich ja eine Selbstverständlichkeit.

Landschaft mit See im Hochgebirge in Norwegen mit blauem Wasser und blauem Himmel

Was bedeutet das Jedermannsrecht für uns ?

Das ist ganz einfach: Ihr dürft immer und überall wandern gehen, Ihr dürft in den Seen schwimmen oder Boot fahren, im Salzwasser darf kostenlos geangelt werden (für den eigenen Verbrauch) und Ihr dürft frei wachsende Blumen und Beeren pflücken (so lange sie nicht unter Naturschutz stehen). Außerdem dürft Ihr immer und überall Euer Zelt aufschlagen und dort für maximal zwei Nächte übernachten. Das ist alles erlaubt, unter der Voraussetzung, das Ihr die Natur respektvoll behandelt und niemandem einen Schaden zufügt.

 

Das Jedermannsrecht gilt für die freie Natur, also für nicht bewirtschaftetes Land oder: nicht eingezäuntes Land. Dazu zählen in der Regel die meisten Küsten- und Uferbereiche, Moorland, Wälder und Berge.

 

Aber Achtung: das Jedermannsrecht gilt nicht für motorisierte Fahrzeuge, also nicht für Pkw, Wohnmobile und Motorräder. Wir dürfen die Fahrwege nicht verlassen - dürfen dort aber jederzeit stehen bleiben und auch übernachten. Natürlich nicht mitten auf dem Fahrweg, sondern auf einem Parkplatz oder an einer entsprechenden Parkbucht und Wanderparkplätzen.

Freistehendes Wohnmobil in Parkbucht wegen Jedermannsrecht in Norwegen möglich

Wichtig ist, dass Ihr immer einen Abstand von mindestens 150 Metern zu bewohnten Häusern und Grundstücken einhaltet. Den Norwegern ist ihr Zuhause heilig und wenn man ihnen zu nahe kommt, sind sie nicht erfreut darüber. Der Friede der Bewohner ist eben nicht zu stören und das ist ja auch vollkommen verständlich. Wir würden das auch nicht wollen. Möchte man doch mal auf Privatbesitz stehen bleiben und dort übernachten, muß man die Besitzer vorab um Erlaubnis fragen. Eine Flasche Wein, die man von zu Hause mitgebracht hat und als kleines Dankeschön an die Besitzer überreicht, kann hierbei hilfreich sein.

 

Vorsicht mit dem Lagerfeuer: offenes Feuer in bewaldeten Gebieten ist vom 15. April bis zum 15. September verboten.

Freistehendes Wohnmobil mit Blick auf den Fjord in der Abendsonne wegen Jedermannsrecht in Norwegen möglich

Grundsätzlich gilt:

Was nicht erlaubt ist, ist verboten und das wird auch angeschrieben und sollte beachtet und respektiert werden.

Es stehen gut sichtbare Schilder mit "No Camping" oder "Privat" dort, wo man eben nicht übernachten oder langfahren darf, oder "forbudt uten fiskekort", wenn das Angeln ohne Angelschein nicht erlaubt ist.

 

Manchmal müsst Ihr die Schilder an Parkplätzen genauer lesen und eventuell auch mehrfach. Dann darf man dort mit Wohnmobil zwar Parken aber nicht Übernachten, manchmal darf man auch nur wenige Stunden (timer) stehen bleiben oder nur eine bestimmte Anzahl an Nächten übernachten.

Blick auf blauen Gletscher mit Warnhinweis wegen Gefahr Jedermannsrecht in Norwegen erlaubt freies Bewegen überall trotzdem muss man aufpassen

Bei der Erholung im Freien handelt es sich um einen wesentlichen Bestandteil der norwegischen Identität und die Norweger schränken niemanden in diesem Recht ein, sondern lassen allen Besuchern der Natur sämtliche Freiheiten. Daher werdet Ihr an steilen Felshängen, Spazier- und Wanderwegen oder Felsvorsprüngen nur sehr selten Absperrungen, Geländer oder Warnhinweise finden. Das ist ganz anders als hier bei uns in Deutschland und in anderen Ländern.

 

Genau aus diesem Grund sollte man als Besucher dann aber besonders achtsam sein, wenn man unterwegs auf ein Warnschild oder eine Absperrung trifft.  Diese sind dann nicht ohne Grund an eben jener Stelle aufgestellt und sollten unbedingt beachtet werden.

 

Zum Einen dienen diese Absperrungen - wie hier oben am Gletscher - nämlich dem Schutz der Natur, aber sie dienen eben auch dem Schutz der Menschen, die sich dort bewegen. Als kleines mahnendes Beispiel können wir Euch an dieser Stelle leider von einem 38jährigen Österreicher berichten, der kurz nach unserem eigenen Aufenthalt genau hier oben an der Absperrung vorbei- und bis zum Gletscher gelaufen ist. Ein großer Eisbrocken ist in diesem Moment vom Gletscher abgebrochen und hat den Mann mit sich gerissen, der den Unfall nicht überlebt hat. Drei weitere Menschen, die ebenfalls an der Absperrung vorbei gelaufen sind, überlebten schwer verletzt.

 

Also passt bitte unbedingt auf Euch auf, seid vorsichtig, beachtet die Hinweise der Einheimischen und mutet Euch nicht zu viel zu.

Freistehen mit dem Wohnmobil

Freistehendes Wohnmobil am Fjord wegen Jedermannsrecht in Norwegen möglich

Wie es das Jedermannsrecht besagt, dürft Ihr also mit Eurem Wohnmobil überall freistehen bleiben, sofern Ihr die Fahrwege nicht verlasst und 150 m Abstand bis zum nächsten bewohnten Haus einhaltet.

 

Ihr seid also weder auf Camping- oder Wohnmobilstellplätze angewiesen und das macht den Urlaub mit dem Wohnmobil in Norwegen sehr viel entspannter als in anderen Ländern. Hier braucht Ihr nicht in Panik zu geraten wegen übervoller Stellplätze und der Unsicherheit, dass Ihr am Abend nach einem anstrengenden Fahrtag keinen Platz mehr bekommt - denn freie Wanderparkplätze und Parkbuchten gibt es ausreichend und überall. Und auch Gespanne dürfen hier überall stehen bleiben.

 

Sofern Ihr jedoch auf Campingplätze angewiesen seid, ist auch das sehr entspannt. Dadurch, dass viele Reisende die freien Stellmöglichkeiten nutzen, sind die ausreichend vorhandenen Campingplätze auch während der Saison nicht ständig ausgebucht, so dass Ihr dort sicher auch immer einen freien Platz bekommt.

 

Nun stellen sich dem Camper als solchem meist die Haare zu Berge, wenn er hört, er soll auf einem Rastplatz übernachten. Das ist für Länder wie Spanien und Frankreich auch vollkommen richtig und angebracht - in Norwegen ist es jedoch überhaupt kein Problem, frei zu stehen und es ist vollkommen ungefährlich.

 

Wenn es Euch unangenehm ist, ganz alleine in einer Parkbucht zu stehen, so fahrt Ihr einfach ein paar Kurven weiter am Fjord entlang. Der nächste Parkplatz oder Hafen wird sicher kommen und sofern nicht schon ein Wohnmobil dort steht, wird sicher schnell ein zweites Wohnmobil dazukommen, wenn Ihr Euch erstmal hingestellt habt.

Freistehende Wohnmobile am Hafen sind erlaubt durch Jedermannsrecht in Norwegen

Ihr werdet es auch häufig erleben, dass es in der Nähe von Sehenswürdigkeiten kostenfreie Stellplätze für Wohnmobile gibt. Hier steht Ihr dann vermutlich auf einem Parkplatz und ohne jede Ver- und Entsorgungsmöglichkeit und auch ohne Strom, aber in der Regel fährt man ja auch nach einer Nacht weiter und setzt die Route fort, so dass es auch mal ohne Strom geht.

 

Zu den Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten in Norwegen werden wir in einem unserer nächsten Artikel noch genau eingehen, aber auch hierzu können wir Euch schon jetzt Eure Bedenken nehmen, denn auch das ist in Norwegen ganz entspannt, so dass das Freistehen überall wunderbar und bedenkenlos funktioniert und zudem auch noch kostensparend ist.

Freier Stellplatz für Wohnmobile überall zu finden durch Jedermannsrecht in Norwegen

Solltet Ihr kein Fan von überfüllten Campingplätzen in Touristen-Hotspots sein oder wenn Euch der angebotene Stellplatz in einer Stadt nicht gefällt, kommt Euch das Jedermannsrecht in Norwegen sehr entgegen. Ihr könnt ganz beruhigt immer einfach ein paar Kilometer weiterfahren und werdet sicher einen wunderschön gelegenen und ruhigen Platz finden, an dem Ihr stehen bleiben könnt.

 

Uns ist es zum Beispiel in Kristiansund so gegangen. Wir hatten die Möglichkeit, am Hafen auf einem Parkplatz für umgerechnet etwas mehr als 15,-- Euro (ohne alles) zu übernachten. Dafür haben wir hinter uns die Durchgangsstraße gehabt und auf der anderen Seite des Hafenbeckens ein lautes Partyschiff, dessen Besucher nachts dann auch alle über diesen Parkplatz noch nach Hause gegangen sind.

Wären wir unserer Route folgend gleich weiter gefahren, wären wir nur wenige Kilometer nach Ortsausgang auf den ersten Rastplatz an der Atlantikstraße gestoßen, den wir kostenfrei mit Blick aufs Meer hätten nutzen können. 

Das haben wir allerdings erst am nächsten Morgen festgestellt - als wir auf diesem Parkplatz einige Mobilisten wieder getroffen haben, die am Abend den Hafenstellplatz gesehen haben und schnell weitergezogen sind.

Manchmal geht es nicht anders...

Nun ist es aber auch so, dass man sich auch in Bezug auf das Freistehen manchmal den örtlichen Gegebenheiten anzupassen hat und einen Campingplatz anfahren muß, weil es einfach nicht anders geht. Vielleicht, weil die engen Straßen es nicht hergeben, dass man am Rand in einer Parkbucht stehen bleibt, weil diese als Ausweichplatz für entgegenkommende Fahrzeuge gedacht ist oder vielleicht auch, weil man sich in einem Naturschutzgebiet befindet, in dem man nur Campingplätze anfahren sollte und manchmal wird man auch einfach mit Hinweisschildern von den Bewohnern eines Ortes oder einer Insel darum gebeten, dass man sich zur Übernachtung auf den örtlichen Campingplatz stellen sollte.

Auf der Vogelinsel Runde zum Beispiel ist es auch so, dass man einfach keine andere Möglichkeit hat, als den Campingplatz anzusteuern. Wenn man die eng verlaufende Zufahrtstraße entlang kommt, fährt man erst am Parkplatz vorbei (No Camping) und kommt dann automatisch kurz vor dem Ende der Straße zum Campingplatz. Also, wenn man die Vögel sehen und auf der Insel wandern möchte, ist das die erste und einzige Adresse.

Blick auf Campingplatz Goksøyr auf Vogelinsel Runde in Norwegen manchmal lässt sich das Jedermannsrecht in Norwegen nicht umsetzen

Unser Fazit zum Jedermannsrecht:

Es ist perfekt. Nicht nur, dass man sich überall in der Natur frei bewegen, schwimmen und fischen darf - durch die Möglichkeit des Freistehens mit dem Wohnmobil bekommen die Reise und der Aspekt der Entspannung und Entschleunigung hier eine ganz besondere Bedeutung.

 

Ihr solltet die Möglichkeit unbedingt wahrnehmen, wenn Ihr mit dem Wohnmobil oder Caravan hier unterwegs seid und einfach dort, wo es Euch gefällt, stehen bleiben und die unbeschreiblich schöne Landschaft genießen. Lasst Euch durch das Land treiben und genießt die Natur. Sie ist hier einfach einzigartig und birgt dramatische Schönheiten.

 

Wir wünschen Euch ganz viel Spaß, einen wunderschönen Urlaub und ganz viele tolle Plätze, an denen Ihr dieses schöne Land einfach genießen könnt.

Alles Liebe von


Vorheriger Artikel:

Unsere Route bis zum Nordkapp

Leni und Toni vor Weltkugel am Nordkapp

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