So fühlen wir uns, als wir zu unserer ersten Fahrt mit einem gemieteten Wohnmobil starten. Wir haben dazu einen Hymer Exsis I588 ausgeliehen und der Schwarzwald soll unser Ziel sein. Vollkommen unerfahren und ziemlich aufgeregt machen wir uns also kurz nach Ostern 2016 auf den Weg, um unser erstes Wohnmobilabenteuer zu beginnen und das Leihmobil beim Händler abzuholen.

 

Wir haben einen Händler bei uns in der Nähe ausgesucht, so dass wir den Hymer bei uns zu Hause in aller Ruhe einräumen können. Zu unserem Glück ist das Mobil bereits mit allem ausgestattet, was man benötigt und als Neuling eher nicht besitzt und vermutlich auch gar nicht bedenkt: leichtes Campinggeschirr und -töpfe, Wasser- und Abwasserschläuche, Gießkanne, Campingmöbel, Kabel und Auffahrkeile haben wir dadurch also schon an Bord und so müssen wir nur noch an unsere alltäglichen Sachen wie Kleidung, Lebensmittel und Badutensilien denken und diese entsprechend verstauen. Aber auch das ist zu diesem Zeitpunkt eine Herausforderung und erfordert einiges Umdenken.

 

Voll bepackt starten wir dann am nächsten Tag und fahren los Richtung Süden. Ein genaues Ziel haben wir uns noch nicht gesucht, wir möchten einfach losfahren und sehen, wie weit wir kommen - aber bekanntlich ist der Weg ja das Ziel. Vom Händler zum Glück mit dem Bordatlas* ausgestattet, kann Leni während der Fahrt schon auf der Karte den Weg begleiten und passende Wohnmobilstellplätze raussuchen.

 

Allerdings legen wir nach einer Weile auf einem Rastplatz an der Autobahn zunächst mal noch eine Pause ein und schon können wir das erste Mal einen der absoluten Vorteile des Wohnmobilreisens erleben: wir haben die eigene Toilette dabei und können uns mal eben schnell am Kühlschrank bedienen. Einfach perfekt.

 

Nach einem weiteren kleinen Zwischenstopp (das erste Mal auf einem Supermarktparkplatz parken und einkaufen gehen) haben wir dann unser erstes Etappenziel erreicht und stehen in Seelbach im Schwarzwald auf dem Wohnmobilstellplatz des Ferienparadieses Schwarzwälder Hof.


Und dort stehen wir ganz alleine. Auch nach einem Spaziergang über den Campingplatz und einem Erkunden der näheren Umgebung ändert sich daran nichts. Wir fangen also an, das erste Mal im Wohnmobil zu kochen und es uns gemütlich zu machen, aber es bleibt dabei: wir verbringen unsere erste Nacht im Wohnmobil ganz alleine auf dem Stellplatz. Natürlich: es sind ja Häuser ringsum und der Campingplatz liegt gegenüber, und Toni ist auch nicht so aufgeregt wie Leni - aber ein bißchen merkwürdig ist es schon.

 

Das erste Kochen im Wohnmobil hat im Übrigen wunderbar geklappt und es ist einfach traumhaft schön, an einem sonnigen Frühlingstag mit geöffneter Tür, offenen Dachluken und dem Blick nach Draußen zu Kochen und anschließend das Essen zu genießen.

Die erste Nacht im Wohnmobil........

.... ist sehr aufregend für uns. Denn nicht nur, dass wir ganz alleine auf dem Stellplatz stehen, nein, wir wachen nachts auf, weil der Kühlschrank blinkt und Leuchtzeichen gibt. Aber das Problem ist schnell gelöst: unsere Stromversorgung ist abgelaufen. Toni schmeißt einfach noch etwas Geld in die Stromsäule und dann funktioniert der Kühlschrank auch wieder und wir können gut weiterschlafen.... - warum der Kühlschrank nicht automatisch auf Gas umschaltet, fragen wir uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht - es ist ohnehin alles so neu und aufregend für uns.

Nach dem ersten Frühstück wird alles fahrbereit verstaut und los geht es zu unserer zweiten Etappe. Wir möchten selbstverständlich die "Schwarzwaldklinik" besuchen und haben uns für unsere nächste Übernachtung den Titisee ausgesucht. Entlang unserer Route gibt es einiges zu entdecken und so starten wir gutgelaunt in den neuen Tag.

Das als Schwarzwaldklinik bekannt gewordene Gebäude befindet sich in der Ferienregion Glottertal im Südschwarzwald. Das Gebäude - der Carlsbau - diente in der Fernsehserie als Außenkulisse und beherbergt heute eine psychosomatische Akutklinik. Um den Klinikbetrieb und die Patienten nicht zu stören ist ein Betreten des Geländes und des Gebäudes nicht möglich. Man kann aber wunderbar drumherum spazieren und wandern gehen und den Ausblick in den Schwarzwald in vollen Zügen genießen.

Bevor wir nun zum Titisee fahren, steuern wir noch die Hexenlochmühle an, die wir auf der Straßenkarte entdeckt haben. Um dorthin zu gelangen, muß man durch das Hexenloch fahren, dass sich etwa 5 km sehr schmal und sehr kurvig durch den Schwarzwald zieht, bis man unten an der Mühle angekommen ist. Die Fahrt ist sehr erlebnisreich - zumal wenn man das erste Mal in einem gemieteten Wohnmobil sitzt. So sind wir alle ein wenig schweigsam und angespannt bis wir bei der Mühle ankommen - aber die Fahrt hat sich gelohnt und ist für geübte Wohnmobilfahrer sicher nicht so aufregend wie für uns.

 

Die Hexenlochmühle ist übrigens eine alte Schwarzwälder Sägemühle, die 1825 erbaut wurde, und die einzige Mühle im Schwarzwald mit zwei Wasserrädern. Das große Wasserrad der Mühle hat einen Durchmesser von 4 m und pro Sekunde laufen etwa 300 l Wasser des Heubachs darüber. Es hat eine Leistung von bis zu 13 PS. Damit werden auch heute noch eine Hochgang- und eine Kreissäge angetrieben - allerdings nur noch zu Vorführzwecken. Zusätzlich zu den beiden Wasserrädern wird über eine Turbine ein Generator betrieben, der mehr Strom liefert, als in der Mühle tatsächlich benötigt wird.

 

Die Mühle befindet sich seit 1839 im Familienbesitz und beherbergt heute auch ein Restaurant und diverse Souvenirgeschäfte.

Gute 23 km weiter wartet dann schon der Titisee auf uns, der sich der Sage nach an der Stelle einer überfluteten Stadt befindet. Die Bewohner dieser Stadt sollen Brotfrevel begangen und ausgehöhlte Brotlaibe als Schuhe missbraucht haben. Zur Strafe dafür, wurde die Stadt überflutet.

 

Für unsere zweite Nacht suchen wir uns auf dem Campingplatz Bankenhof in Hinterzarten ein schönes Plätzchen mitten im Grünen und nach unserer Ankunft radeln wir zunächst mal um den See nach Titisee-Stadt, um dort wunderbare schwäbische Maultaschen und Wurstsalat zu essen und den Ausblick auf den See zu genießen.

 

Die Nacht ist traumhaft ruhig und wir werden vom leisen Vogelgezwitscher geweckt. Kann das Leben schöner sein ?

Männertag auf den Spuren von Professor Brinkmann

Immer noch auf den Spuren der Schwarzwaldklinik unterwegs, deuten wir uns für heute den Besuch des Wohnhauses von Professor Brinkmann aus. Dieses befindet sich in Grafenhausen, etwa eine halbe Stunde Fahrzeit vom Titisee entfernt. Heute befindet sich hier das Heimatmuseum Hüsli. Das Hüsli wurde 1911 von der in Berlin lebenden Sängerin Helene Siegfried-Aichele im Stil eines Schwarzwaldhauses erbaut. Sie wollte es ursprünglich als luxuriösen Ferienwohnsitz nutzen und stattete es mit elektrischem Strom, Licht und Badewanne aus. Außerdem sammelte sie mit viel Akribie Kunst- und Einrichtungsgegenstände sowie Bauteile aus anderen alten Bauernhöfen und Schwarzwaldhäusern und ließ diese original in ihrem Hüsli einbauen. So erschuf sie hier ein architektonisches Gesamtkunstwerk mit heruntergezogenem Dach, Glockenturm, bemalten Decken, Türen und Wandschränken sowie zahlreichen Kunstgegenständen wie Uhren, Porzellan und Schnitzkunstwerken. Alles ist original erhalten und kann von den Besuchern betrachtet werden.

Genau gegenüber des Hüsli befindet sich die Rothaus Brauerei. Wir können das Wohnmobil also auf dem Parkplatz stehen lassen und gemütlich rüberspazieren um den Zäpfleweg zu begehen, der an neun Stationen und drei Pavillons alles Wissenswerte rund um die Braukunst darstellt und erklärt. Der Spaziergang bietet auch einen Blick in die Abfüllanlage (mit Panoramafenster) und wenn man keine Brauereibesichtigung machen möchte, ist das eine tolle Alternative. Der Spaziergang dauert etwa eine halbe Stunde und anschließend kann man entweder im Brauereigasthof etwas essen gehen oder alternativ im Shop einfach nur ein bis zwei Tragerle Tannenzäpfle kaufen und später die Verköstigung vornehmen. Wir entscheiden uns für Letzteres und spazieren anschließend wieder zurück zum Wohnmobil um weiterzufahren.

Unseren ursprünglichen Plan für den weiteren Tagesverlauf geben wir dann auf dem nächsten Supermarktparkplatz auf. Ein sehr lieber Camperkollege kommt grade vom Feldberg herunter gefahren und wir treffen ihn zufällig nach dem Einkauf und kommen ins Plaudern. Von der Fahrt auf den Feldberg rät er uns im Verlauf des Gesprächs ab, da es so nebelig ist, das die Fahrt sich nicht lohnt und man nichts sehen kann, wenn man oben angekommen ist. Dafür empfiehlt er uns unbedingt die Weiterfahrt nach Waldshut-Tiengen - direkt am Rhein gelegen und mit einem schönen neuen Wohnmobilstellplatz. Da überlegen wir nicht lange und fahren los.

 

Eine gute halbe Stunde später sind wir schon da und finden einen schönen Platz im Wohnmobilpark Waldshut. Der Platz ist ganz neu angelegt und liegt gegenüber vom dazugehörigen Campingplatz, der sich direkt am Rhein befindet.

 

Am Rhein entlang führt uns dann auch ein schöner Spazierweg und wir sind innerhalb von 15 Minuten in der schönen und äußerst sehenswerten Altstadt von Waldshut mit ihrer historischen Bebauung angekommen.

Da wir uns gute 400 km von zu Hause entfernt befinden und unsere erste kurze Reise bereits dem Ende zugeht, beschließen wir am folgenden Tag bereits ein Stück des Heimwegs anzutreten, so dass wir nicht am letzten Tag die gesamte Strecke hinter uns bringen müssen. Wir fahren also wieder fast 200 km Richtung Norden und verbringen unsere letzte Nacht dann auf dem dem Freizeitcenter Oberrhein vorgelagerten Wohnmobilstellplatz und können - nun tatsächlich bei Sonnenschein und endlich etwas wärmerem Frühlingswetter - sogar noch die Campingmöbel auspacken um am letzten Nachmittag bei Kaffee und Kuchen den Tag zu genießen, ehe es für uns wieder nach Hause geht und wir schweren Herzens unser Wohnmobil wieder zurückbringen müssen.